In Island hängt es ebenso sehr von der Vorbereitung wie vom Glück ab, ob man ein Nordlicht zu sehen bekommt. Der Himmel kann mehrere Nächte lang still bleiben und dann plötzlich in grünen Schleiern über einem Lavafeld, einem Gletscher oder einer Lagune aufleuchten.
Zwischen September und April bietet das Land zahlreiche Gelegenheiten, das Phänomen zu erleben, sofern man mit Wetter, Dunkelheit und Sonnenaktivität umzugehen weiß. Den richtigen Zeitraum wählen, wissen, wohin man fährt, und lernen, die Prognosen zu lesen: So erhöht man seine Chancen deutlich.
Zusammenfassung
- 1. Wann kann man in Island Nordlichter sehen?
- 2. Wo kann man in Island Nordlichter sehen?
- 3. Wie erhöht man seine Chancen, Nordlichter zu sehen?
- Vor der Abfahrt das Wetter prüfen
- Nordlichtprognosen richtig lesen
- Lichtquellen meiden und mobil bleiben
- 4. Wie geht man in Island auf Nordlichterjagd?
- Mit dem Auto, für volle Bewegungsfreiheit
- Mit einer geführten Tour
- Vom Meer aus: eine andere Art, den isländischen Himmel zu entdecken
- 5. Wie bereitet man eine Reise vor, um Nordlichter zu sehen?
- Wie viele Tage sollte man in Island einplanen?
- Wie kleidet man sich für das Warten auf Nordlichter?
- Nordlichter in Island fotografieren
- 6. Häufige Fragen zu Nordlichtern in Island
- Welcher Monat ist der beste, um in Island Nordlichter zu sehen?
- Kann man Nordlichter von Reykjavik aus sehen?
- Kann man in Island im Sommer Nordlichter sehen?
- Sind Nordlichter mit bloßem Auge sichtbar?
- Ist es sicher, dass man auf einer Islandreise Nordlichter sieht?
- Braucht man für die Nordlichtbeobachtung eine mondlose Nacht?
Wann kann man in Island Nordlichter sehen?
Die Nordlichtsaison von September bis April
Die beste Zeit für Nordlichter in Island liegt zwischen Oktober und März: Die Nächte sind lang genug für die Beobachtung, und die Reisebedingungen bleiben vertretbar.
Nordlichter, in Österreich und der Schweiz auch als Polarlicht bezeichnet, entstehen das ganze Jahr über. Was sich mit den Jahreszeiten ändert, ist nicht das Phänomen selbst, sondern unsere Fähigkeit, es zu sehen: Der Himmel muss dunkel genug sein. Im Sommer macht die Helligkeit der isländischen Nächte eine Beobachtung unmöglich, selbst bei starker Sonnenaktivität.
Die Beobachtungssaison in Island reicht daher grob von September bis April. In dieser Zeit werden die Nächte wieder lang und dunkel genug, damit die Nordlichter sichtbar werden. Das Zeitfenster ist in anderen Ländern dieser Breitengrade vergleichbar, allen voran bei den Nordlichtern in Norwegen.
Ende August und Anfang September werden die ersten Sichtungen wieder möglich. Die Nächte sind noch kurz, aber sie sind wieder wirklich dunkel, und die Landschaften tragen ihre Herbstfarben. September und Oktober bieten einen guten Kompromiss: Die Dunkelheit reicht aus, die Temperaturen bleiben erträglich und die meisten Straßen im Inland sind noch geöffnet.
Von November bis Februar sind die Nächte besonders lang. Ende Dezember ist es in Reykjavik vom späten Nachmittag bis zum späten Vormittag dunkel, was das Beobachtungsfenster erheblich verlängert. Allerdings fordert der isländische Winter seinen Tribut: Stürme, Wind, Schnee, Glatteis und Straßensperrungen.
März und Anfang April beschließen die Saison. Die Nächte bleiben dunkel genug für die Beobachtung der Nordlichter, während die Tage deutlich länger werden, was viel mehr Zeit lässt, die Insel vor Einbruch der Dunkelheit zu erkunden.
Ein Punkt sei klargestellt: Kein Zeitraum garantiert mehr Nordlichter als ein anderer. Und entgegen einer verbreiteten Vorstellung ist die Kälte nicht die Ursache des Phänomens. Dass Nordlichter mit dem Winter verbunden werden, liegt einzig daran, dass die Dunkelheit sie sichtbar macht.
| Zeitraum | Verfügbare Dunkelheit | Bedingungen vor Ort | Wichtig zu wissen |
| Ende August bis Anfang September | Kurze, aber wirklich dunkle Nächte | Milde Temperaturen, offene Straßen | Saisonbeginn, herbstliche Landschaften |
| September und Oktober | Schnell länger werdende Nächte | Noch relativ milde Wetterbedingungen | Guter Kompromiss zwischen Komfort und Dunkelheit |
| November bis Februar | Sehr lange Nächte | Ausgeprägter Winter: Wind, Schnee, Glatteis, teils gesperrte Straßen | Maximales Beobachtungsfenster, schwierigere Fahrten |
| März bis Anfang April | Noch ausreichend dunkle Nächte | Längere Tage, milder werdender Winter | Viel Zeit für Besichtigungen am Tag |
Zu welcher Uhrzeit kann man Nordlichter sehen?
Es gibt keine feste Uhrzeit, zu der ein Nordlicht erscheint. Die einzige wirklich entscheidende Bedingung ist, dass die Nacht dunkel genug ist.
Ein Nordlicht kann sich also am frühen Abend zeigen, kaum dass man zu Abend gegessen hat, ebenso gut aber auch viel später, mitten in der Nacht. In der Praxis behalten die meisten Beobachter den isländischen Himmel im Auge, sobald die Dunkelheit eingesetzt hat, und halten sich mehrere Stunden bereit.
Ebenso variabel ist die Dauer des Phänomens. Ein Nordlicht kann sich auf wenige Minuten beschränken, völlig verschwinden und eine Stunde später mit größerer Intensität zurückkehren. Andere Episoden bleiben mehrere Stunden am Stück sichtbar. Geduld gehört dazu: Wer nach zwanzig Minuten aufgibt, verpasst sie oft knapp.

Wo kann man in Island Nordlichter sehen?
Den einen besten Standort gibt es in Island nicht. Drei Kriterien zählen vor allem: ein klarer Himmel, geringe Lichtverschmutzung und ein ausreichend freies Blickfeld nach Norden. Ein völlig unbekannter Ort unter klarem Himmel ist immer mehr wert als ein berühmter Aussichtspunkt unter dichten Wolken.
Reykjavik und Umgebung
Nordlichter lassen sich durchaus von Reykjavik aus beobachten, wenn sie stark genug sind. Bei den aktivsten Episoden sind sie sogar aus manchen Vierteln der Hauptstadt zu erkennen.
Die Stadtbeleuchtung bleibt jedoch ein Handicap. Sie löscht schwache Nordlichter aus, die zunächst als gräulicher Schleier am Horizont erscheinen, und verringert den Farbkontrast erheblich.
Wer in der Stadt bleiben und sich dennoch von den Lichtern entfernen möchte, findet auf der Halbinsel Seltjarnarnes und am Leuchtturm Grótta am westlichen Ende des Stadtgebiets zwei der meistgenutzten Punkte. Dort bieten sich ein freier Horizont über dem Ozean und eine deutlich geringere Beleuchtung.
Reykjavik zu verlassen bleibt trotzdem die beste Option. Schon 30 bis 40 Kilometer von Reykjavik entfernt findet man einen wirklich dunklen Himmel, was die Wahrnehmung des Phänomens grundlegend verändert.
Der Golden Circle
Der Golden Circle hat den Vorteil, von Reykjavik aus zu jeder Jahreszeit erreichbar zu sein, was ihn zu einer praktischen Ausweichzone macht, wenn sich die Bewölkung über der Hauptstadt verschlechtert.
- Der Nationalpark Thingvellir: weite Flächen, eine kaum beleuchtete Umgebung und breite freie Blicke auf die Spalte und den See, mit schönen Möglichkeiten für den Vordergrund.
- Das Gebiet um Gullfoss: weiter östlich gelegen, erlaubt es ebenfalls, sich von Lichtquellen zu entfernen, mit dem Rauschen des Wasserfalls im Hintergrund.
- Die Umgebung von Laugarvatn: eine Wasserfläche, die den isländischen Himmel spiegelt, und Unterkünfte in unmittelbarer Nähe.
Der Reiz dieser Gegend liegt vor allem in ihrer Organisation: Tagsüber reiht man die klassischen Stationen des Golden Circle aneinander, nach Einbruch der Dunkelheit geht man auf Nordlichtsuche, ohne eine weit entfernte Region ansteuern zu müssen.
Die Südküste
Die Südküste vereint mehrere der meistfotografierten Kulissen Islands, und ihr Reiz für die Beobachtung hängt stark davon ab, was sich in den Vordergrund setzen lässt.
Die Gletscherlagune Jökulsárlón ist in dieser Hinsicht wohl der begehrteste Ort. Die vom Gletscher abgebrochenen Eisberge und die Wasseroberfläche werfen das Licht des Nordlichts zurück und vervielfachen die visuelle Wirkung, was Szenen ergibt, die sich nirgendwo sonst reproduzieren lassen.
Skógafoss erlaubt es, einen rund 60 Meter hohen Wasserfall mit dem Nachthimmel zu verbinden, während sich das Massiv Vestrahorn bei Höfn über den schwarzen Sandstränden von Stokksnes abhebt. Gletscher, Küste und Berge bilden hier einen typisch isländischen Vordergrund, was die Beobachtung an dieser Küste deutlich von einer einfachen Beobachtung im flachen Land unterscheidet. Dieselben Kulissen erlebt man vom Wasser aus während einer Kreuzfahrt in die Polarregionen und Fjorde.

Der Norden und der Westen Islands
Der Norden der Insel ist sehr dünn besiedelt, was ihn zu einem besonders günstigen Gebiet macht. Der See Mývatn mit seinen Lavafeldern, Kratern und Wasserflächen zählt zu den beliebtesten Zonen. Auch die Umgebung von Akureyri und Húsavík bietet einen dunklen Himmel in kurzer Entfernung zu den Unterkünften, am Ufer des Eyjafjörður, des längsten Fjords Islands.
Im Westen vereint die Halbinsel Snæfellsnes auf wenigen Dutzend Kilometern vulkanische Reliefs, eine zerklüftete Küste und sehr wenig künstliches Licht. Der Berg Kirkjufell mit seiner unverwechselbaren Silhouette und den vorgelagerten Wasserfällen ist dort zu einem Fixpunkt für Fotografen geworden.
Diese Regionen haben einen weiteren Vorteil: Sie sind im Winter weniger besucht als der Süden der Insel, was mehr Spielraum lässt, den eigenen Standort zu wählen und in Ruhe zu warten.
Wie erhöht man seine Chancen, Nordlichter zu sehen?
Ein Nordlicht entsteht durch die Wechselwirkung zwischen geladenen Teilchen der Sonne und den Gasen der oberen Erdatmosphäre. Das Magnetfeld der Erde lenkt einen Teil dieser Teilchen in die Polarregionen, wo sie die Lichterscheinung auslösen, die man vom Boden aus beobachtet.
Dieser Mechanismus erklärt, warum Island so interessant ist: Das Land liegt unter dem Nordlichtoval, jener ringförmigen Zone, in der Nordlichter am häufigsten auftreten. Derselbe Ring verläuft über den Norden Skandinaviens, wo eine Kreuzfahrt in den norwegischen Fjorden vergleichbare Beobachtungsbedingungen bietet. Grün überwiegt deutlich, doch je nach beteiligten Gasen und der Höhe, in der die Reaktion stattfindet, können auch Rot, Rosa, Blau oder Violett auftreten.
Das reicht, um eine Reise gezielt zu planen. Der Rest hängt von vier Bedingungen ab, die gleichzeitig erfüllt sein müssen:
- Eine ausreichend dunkle Nacht, was einen Großteil des isländischen Sommers ausschließt.
- Ein klarer Himmel über dem Beobachtungspunkt, die einschränkendste Bedingung in Island.
- Geringe Lichtverschmutzung, also ein Standort weit weg von Städten.
- Ausreichende Nordlichtaktivität, der einzige Parameter, auf den Reisende keinerlei Einfluss haben.
Die ersten drei Bedingungen hängen von Ort und Uhrzeit ab und lassen sich daher im Voraus planen. Die letzte lässt sich nicht steuern, nur beobachten.
Vor der Abfahrt das Wetter prüfen
Von diesen vier Bedingungen ist die Bewölkung diejenige, an der die meisten Ausflüge scheitern. Sie sollte daher genau verfolgt werden, und nicht erst am Vorabend der Abreise.
In Island bereitet die Bewölkung die größten Schwierigkeiten. Das Wetter ändert sich extrem schnell: Ein Abend kann in weniger als einer Stunde von völlig bedecktem Himmel zu einer klaren Wolkenlücke wechseln und sich ebenso rasch wieder schließen. Ein sehr aktives Nordlicht bleibt hinter einer Wolkenschicht vollkommen unsichtbar.
Ein weiterer nützlicher Reflex: Ein bedeckter Himmel in Reykjavik sagt nichts darüber aus, was anderswo passiert. Nicht selten liegt eine klare Zone einige Dutzend Kilometer weiter, am Golden Circle, auf der Halbinsel Reykjanes oder an der Südküste. Eine Bewölkungskarte für die gesamte Insel zu konsultieren und nicht nur das Wetter der eigenen Stadt, macht einen großen Unterschied.

Nordlichtprognosen richtig lesen
Nordlichtprognosen beruhen hauptsächlich auf dem Kp-Index, einer Skala von 0 bis 9, die die Intensität der geomagnetischen Aktivität misst. Je höher der Wert, desto stärker die Aktivität und desto wahrscheinlicher sind Nordlichter auch weiter südlich sichtbar.
Zwei Nuancen sollte man sich merken. Erstens garantiert ein hoher Kp-Wert keine Sichtung: Ohne klaren Himmel nützt er nichts. Zweitens ist Island geografisch so günstig gelegen, dass ein Nordlicht dort schon bei relativ niedrigem Kp-Wert bestens sichtbar sein kann, während andere europäische Länder eine weit stärkere Aktivität bräuchten.
Technische Parameter wie die Bz-Komponente oder die Dichte des Sonnenwinds muss man nicht vertiefen: Für eine Reise kommt es darauf an, zwei Informationen zu kombinieren, die Nordlichtprognose und die Bewölkung. Die Prognosen des isländischen Wetterdienstes, der zuverlässigsten Quelle für die Wetterbedingungen des Landes, führen beide Angaben ohnehin auf einer einzigen Karte zusammen. Apps wie My Aurora Forecast oder Wettervisualisierungstools wie Ventusky ergänzen das sinnvoll.
Lichtquellen meiden und mobil bleiben
Die Städte zu verlassen bleibt der lohnendste Schritt. Wer Nordlichter beobachten in Island ernsthaft plant, stellt schnell fest: Unter einem wirklich schwarzen Himmel wird ein schwaches Nordlicht wahrnehmbar, während es aus einer beleuchteten Zone völlig unbemerkt bliebe.
Einige einfache Gewohnheiten verbessern die Beobachtungsbedingungen deutlich:
- Einen freien Horizont nach Norden suchen, ohne Erhebungen oder Gebäude: Ein Parkplatz am Seeufer, ein Aussichtspunkt oder ein Strand eignen sich bestens.
- Alle nahen Lichtquellen abschalten, Autoscheinwerfer inbegriffen, und den Augen rund fünfzehn Minuten Zeit geben, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.
- Mobil bleiben: Das isländische Wetter schlägt schnell um, und dreißig oder vierzig Kilometer bis zu einer Wolkenlücke zu fahren, entscheidet oft zwischen einem vergeblichen Abend und einer gelungenen Beobachtung.
- Eine Ausweichlösung bereithalten in einer anderen Richtung, vor Einbruch der Dunkelheit auf der Bewölkungskarte ausgemacht.
Zwei Sicherheitsregeln gelten dagegen unbedingt. Man hält niemals am Straßenrand einer isländischen Straße, um ein Nordlicht zu beobachten oder zu fotografieren: wildes Anhalten ist eine bekannte Unfallursache auf der Ringstraße. Und man prüft vor jeder winterlichen Fahrt systematisch den Straßenzustand und die Wetterwarnungen bei den isländischen Straßendiensten.
Wie geht man in Island auf Nordlichtjagd?
Mit dem Auto, für volle Bewegungsfreiheit
Das Auto bleibt die flexibelste Lösung für eine Nordlichtjagd. Es erlaubt, je nach Bewölkung die Region zu wechseln, eine auf der Karte entdeckte Wolkenlücke anzusteuern und so lange an einem Standort zu bleiben, wie man möchte, ohne von einer Rückfahrzeit abhängig zu sein.
Diese Freiheit fügt sich ganz selbstverständlich in einen Roadtrip durch Island ein: Tagsüber besichtigen, am späten Nachmittag den Beobachtungspunkt wählen, abends je nach Wetter nachjustieren.
Der Winter verlangt allerdings echte Wachsamkeit. Schnee, Glatteis, starker Wind und vorübergehende Straßensperrungen sind zwischen November und März häufig, auch auf den Hauptstrecken. Die Straßenverhältnisse vor jeder Fahrt zu prüfen, ist keine Formsache, sondern eine Sicherheitsvoraussetzung.

Mit einer geführten Tour
Geführte Touren, die von Reykjavik aus sehr verbreitet sind, sind eine gute Alternative für alle, die im Winter nicht nachts fahren möchten.
Ihr größter Pluspunkt ist die Erfahrung der Guides. Sie sind es gewohnt, Nordlichtprognosen und Wolkenkarten gemeinsam zu lesen, wissen an einem bestimmten Abend, wohin sie fahren müssen, und passen die Route unterwegs an.
Touren in kleinen Gruppen bieten mehr Flexibilität als große Busse, mit der Möglichkeit, die meistbesuchten Orte zu meiden. Manche Anbieter gewähren zudem einen kostenlosen zweiten Versuch, wenn in der ersten Nacht keine Nordlichter zu sehen waren, was sich bei der Buchung zu prüfen lohnt.
Vom Meer aus: eine andere Art, den isländischen Himmel zu entdecken
Island ist eine Insel, und das Meer fügt sich recht natürlich in das Erlebnis ein. Die Nachtfahrten starten vom alten Hafen Reykjaviks, dem Gamla Höfnin, und dauern in der Regel zwei bis drei Stunden. Zum Einsatz kommen meist stabile Ausflugsboote mit beheiztem Innenraum und offenem Oberdeck; wer möchte, findet auch kleinere Yachten und Segelschiffe für Fahrten in kleiner Runde. Wenige Seemeilen vor der Küste genügen, um die Beobachtungsbedingungen völlig zu verändern.
Auf offener See ist der Horizont vollständig frei und keine Stadtbeleuchtung mindert den Kontrast. Die Farbwahrnehmung gewinnt erheblich, vor allem bei Episoden geringer Intensität, und die Spiegelung des Nordlichts auf dem Wasser fügt eine Dimension hinzu, die es an Land nicht gibt. An Deck sollte man allerdings mit gefühlten Temperaturen deutlich unter null rechnen: Fahrtwind und Feuchtigkeit verstärken die Kälte spürbar.
Zu bedenken sind auch die winterlichen Seebedingungen. Zwischen November und März ist der Nordatlantik häufig bewegt, und Anbieter sagen Fahrten bei starkem Wind oder hohem Seegang kurzfristig ab. Wer zu Seekrankheit neigt, plant eine Fahrt besser in den ruhigeren Monaten September, Oktober oder März ein.
Die Grenze liegt auf der Hand: Ein Schiff ist weit weniger mobil als ein Auto. Fünfzig Kilometer zu fahren, um eine Wolkenmasse zu umgehen, ist unmöglich. Die Fahrt aufs Meer versteht sich daher als eigenständiges Erlebnis, nicht als effizienteste Methode, eine Wolkenlücke zu verfolgen.
Sie ist zugleich der Einstieg in eine echte Polarreise. Expeditionsschiffe in überschaubarer Größe verbinden die Küstenentdeckung am Tag mit freiem Himmel bei Einbruch der Nacht, ohne dass man wieder ins Auto steigen muss. Wer noch weiter nach Norden möchte, setzt diese Logik mit einer Arktis-Kreuzfahrt in Richtung Grönland und Spitzbergen fort.
Wie bereitet man eine Reise vor, um Nordlichter zu sehen?
Wie viele Tage sollte man in Island einplanen?
Auf eine einzige Nacht zu setzen, ist riskant. Eine Wolkenfront oder schwache Sonnenaktivität genügen, damit sich das Zeitfenster schließt, ohne Möglichkeit, es nachzuholen.
Rein rechnerisch gilt: Je mehr Nächte der Aufenthalt umfasst, desto größer die Chance, gleichzeitig klaren Himmel und ausreichende Nordlichtaktivität zu erwischen. Eine Garantie ist das nie: Die Beobachtung bleibt ein unvorhersehbares Naturphänomen, das kein Reiseveranstalter und keine App versprechen kann.
Am besten baut man den Aufenthalt rund um die Entdeckung Islands bei Tag auf und betrachtet die Nordlichtsuche als Abendaktivität. Eine Islandkreuzfahrt entspricht dieser Logik gut, indem sie über mehrere aufeinanderfolgende Nächte Häfen entlang der Küste aneinanderreiht. Solche Fahrten sind ab rund 7.700 € pro Person buchbar, je nach Schiff, Kabinenkategorie und Länge der Route. Gletscher, Wasserfälle, Vulkangebiete, heiße Quellen und Küste füllen die Tage mehr als aus: Erscheinen die Nordlichter, kommen sie als unverhofftes Geschenk hinzu; lassen sie auf sich warten, behält die Reise ihren vollen Reiz.
Wie kleidet man sich für das Warten auf ein Nordlicht?
Das Problem ist nicht allein die angezeigte Temperatur. Im Januar liegen die Temperaturen in Reykjavik im Schnitt bei −1 °C, gefühlt deutlich kälter durch den Wind. In Island macht die Kombination aus Wind und Bewegungslosigkeit das Warten schwer: eine Stunde reglos stehen, im kräftigen Wind, fühlt sich weit kälter an als eine Wanderung bei derselben Temperatur.
Das Zwiebelprinzip mit drei Schichten gilt als bewährteste Methode. Eine Thermoschicht direkt am Körper, um Feuchtigkeit abzuleiten, eine isolierende Schicht aus Fleece oder Daune, um die Wärme zu halten, und außen eine wasserdichte, winddichte Jacke gegen Wind und Regenschauer.
Der Rest besteht aus wenigen einfachen Dingen: warme, wasserdichte Schuhe, Handschuhe, eine Mütze und dicke Socken. Eine Stirnlampe, idealerweise mit Rotlichtmodus, erlaubt es, sich zu bewegen, ohne die Dunkeladaption der Augen zu zerstören. Eine Powerbank gleicht das schnelle Entladen der Geräte in der Kälte aus, und eine Thermoskanne mit einem heißen Getränk macht das Warten deutlich erträglicher.

Nordlichter in Island fotografieren
Mit einer Kamera kommt es vor allem auf drei Dinge an: ein lichtstarkes Objektiv, eine Weitwinkelbrennweite, um die Landschaft einzubeziehen, und ein stabiles Stativ, unverzichtbar, sobald die Belichtungszeiten länger werden.
Die Einstellungen lassen sich nur als Richtwerte angeben, denn sie hängen ganz von der Intensität des Nordlichts ab. In der Praxis arbeitet man im manuellen Modus, mit hoher Empfindlichkeit, maximaler Blendenöffnung und einer Belichtungszeit von wenigen Sekunden bis rund zwanzig Sekunden. Ein sehr aktives Nordlicht verlangt eine kurze Belichtung, um die Zeichnung der Strukturen zu erhalten, während ein schwaches Nordlicht eine längere Belichtungszeit erfordert.
Mit dem Smartphone liefert der Nachtmodus neuerer Geräte brauchbare Ergebnisse, sofern das Telefon stabilisiert wird, idealerweise auf einem kleinen Stativ oder einer festen Unterlage. Der Blitz dagegen ist völlig nutzlos: Er beleuchtet auf diese Entfernung nichts und verschlechtert das Bild.
Ein letzter Punkt, oft eine Quelle von Enttäuschung: Sensoren erfassen mehr Farben als das menschliche Auge. Ein schwaches Nordlicht kann mit bloßem Auge gräulich oder blassgrün wirken und auf dem Foto in kräftigem Grün erscheinen. Das ist kein Sehfehler, sondern schlicht ein Unterschied in der Empfindlichkeit zwischen Auge und Sensor, den man kennen sollte, bevor man verreist.
Häufige Fragen zu Nordlichtern in Island
Welcher Monat ist der beste, um in Island Nordlichter zu sehen?
Die Beobachtungssaison reicht von September bis April. Kein Monat garantiert eine Sichtung: September und Oktober bieten mildere Bedingungen, November bis Februar deutlich längere Nächte, März und April ein gutes Gleichgewicht zwischen Dunkelheit und Besichtigungszeit am Tag. Die Wahl hängt vor allem von der gewünschten Art der Reise ab.
Kann man Nordlichter von Reykjavik aus sehen?
Ja, vor allem bei starker Aktivität. Die Stadtbeleuchtung verringert den Kontrast schwacher Nordlichter allerdings erheblich. Besser sind die am wenigsten beleuchteten Bereiche der Stadt wie Seltjarnarnes und der Leuchtturm Grótta, oder man verlässt das Stadtgebiet ganz.
Kann man in Island im Sommer Nordlichter sehen?
Das Phänomen tritt weiterhin auf, doch die isländischen Nächte sind während eines Großteils des Sommers zu hell für eine Beobachtung. Da Island fast vollständig südlich des Polarkreises liegt, kennt es im Winter keine echte Polarnacht, dafür aber im Sommer extrem helle Nächte.
Sind Nordlichter mit bloßem Auge sichtbar?
Ja. Ihre Farben wirken jedoch weniger gesättigt als auf Fotos, besonders bei Episoden schwacher Aktivität, in denen das Nordlicht gräulich oder blassgrün erscheinen kann.
Sieht man auf einer Islandreise sicher Nordlichter?
Nein. Die Beobachtung hängt von der Sonnenaktivität, der Dunkelheit und vor allem von der Bewölkung ab. Kein Reiseziel, keine Jahreszeit und keine Tour können sie garantieren. Mehr Nächte vor Ort erhöhen schlicht die Zahl der Gelegenheiten.
Braucht man für die Nordlichtbeobachtung eine mondlose Nacht?
Nein. Vollmond verringert den Kontrast der schwächsten Nordlichter, verhindert aber nicht die Beobachtung einer ausreichend intensiven Episode. Er beleuchtet zudem die Landschaft, was in der Fotografie sogar nützlich sein kann.
Was kostet eine Nordlichtreise nach Island?
Die Spanne ist groß. Eine geführte Nordlichttour ab Reykjavik kostet meist zwischen 60 und 120 € pro Person und Abend, eine nächtliche Bootsfahrt ab dem alten Hafen liegt in derselben Größenordnung. Ein Mietwagen für eine Woche im Winter schlägt je nach Fahrzeugklasse mit mehreren Hundert Euro zu Buche, Unterkunft und Verpflegung kommen hinzu. Eine Islandkreuzfahrt mit mehreren aufeinanderfolgenden Nächten an Bord ist ab rund 7.700 € pro Person buchbar und deckt Unterkunft, Verpflegung und Route in einem Preis ab.

