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Segelregatta der Ocean Fifty im Rahmen der Route du Rhum

Route du Rhum 2026: Die Skipper und Favoriten im Überblick

„Die Füße im Wasser, der Kopf an der Winsch. Und mein ganzes Herz in diesem Projekt.“ Diese Worte von Yohan Bertrand, der in der Class40 an den Start geht, spiegeln die Haltung der Skipper wider, die an der Route du Rhum teilnehmen.

Am 1. November 2026 um 13:02 Uhr startet vor Saint-Malo die 13. Ausgabe der Route du Rhum. Die Einhand-Transatlantikregatta führt über 3.542 Seemeilen (rund 6.560 Kilometer) nach Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe. Ursprünglich waren 118 Skipper für die sechs Klassen Ultim, IMOCA, Ocean Fifty, Class40, Vintage Mono und Vintage Multi gemeldet. Am Start stehen ein Rekordhalter auf einem nagelneuen Trimaran, die erste Frau in der Ultim-Klasse und ein 1988 gebauter ORMA-Trimaran, der noch einmal den Atlantik überquert. Hier stellen wir die Favoriten und weitere bemerkenswerte Teilnehmer Klasse für Klasse vor.

Route du Rhum 2026: Favoriten und Boote im Überblick

  • Ultim: Charles Caudrelier – Gitana 18 (Maxi Edmond de Rothschild); Armel Le Cléac’h – Maxi Banque Populaire XI; Alexia Barrier – IDEC Sport-CIC.
  • IMOCA: Jérémie Beyou – Charal; Sam Goodchild – MACIF Santé Prévoyance; Violette Dorange – Initiatives-Cœur.
  • Ocean Fifty: Basile Bourgnon – Edenred; Baptiste Hulin – Viabilis Océans; Léonard Legrand – Sodebo Fifty.
  • Class40: Guillaume Pirouelle – Sogestran Seafrigo; Corentin Douguet – SNSM, Faites un don !; Ian Lipinski – Crédit Mutuel.
  • Vintage Multi: Francis Joyon – Pour les océans; Gilles Lamiré – Groupe GCA.
  • Vintage Mono: Jean Le Cam – Alegria.

Die Auswahl nennt viel beachtete Skipper und weitere interessante Teilnehmer, nicht ausschließlich die Titelanwärter.

Ultim: einen Rekord verteidigen, Geschichte schreiben

Die Ultims sind die Giganten der Route du Rhum: fliegende Trimarane von 32 Metern Länge, die mehr als 40 Knoten erreichen können. An Bord ist der Skipper allein. An Land arbeiten seit Monaten ein technisches Team, Wetterrouter, die ihm die optimale Route berechnen, und ein großer Sponsor für ihn. Die umfangreiche Vorbereitung ist bei diesen schnellen und technisch anspruchsvollen Trimaranen entscheidend.

Charles Caudrelier, die Rückkehr des Rekordhalters

2022 gewann Charles Caudrelier bei seiner allerersten Teilnahme das Rennen in 6 Tagen, 19 Stunden, 47 Minuten und 25 Sekunden. Damit unterbot er den bisherigen Rekord, den Francis Joyon 2018 mit 7 Tagen, 14 Stunden und 21 Minuten aufgestellt hatte, um fast einen Tag. Vier Jahre später kehrt der Segler mit einer doppelten Herausforderung zurück: seine Gegner hinter sich lassen und seine eigene Bestzeit schlagen.

Hinzu kommt, dass Charles Caudrelier diese Herausforderung an Bord eines neuen Bootes angeht: der Gitana 18, dem jüngsten Zuwachs der Flotte von Edmond de Rothschild. Die Route du Rhum ist die erste Atlantiküberquerung dieses Trimarans unter Wettkampfbedingungen. Der Skipper muss also um den Sieg segeln, mit einem Boot, das sich auf einer so langen Distanz noch nie bewähren musste.

Armel Le Cléac'h, Thomas Coville, Charles Caudrelier und Tom Laperche (Quelle: Wikimedia Commons)

Le Cléac'h, Coville, Laperche… starke Konkurrenz

Doch der Titelverteidiger hat das Feld nicht für sich allein. Ihm stehen gefährliche Gegner gegenüber: Armel Le Cléac'h auf der Maxi Banque Populaire XI, Tom Laperche auf der SVR-Lazartigue, Thomas Coville auf der Sodebo Ultim 3 und Anthony Marchand auf der Actual Ultim 4. Alle verfügen über ein starkes Team, und alle träumen davon, als Erste in Pointe-à-Pitre die Ziellinie zu überqueren.

Alexia Barrier, die erste Frau in der Ultim-Klasse

Diese Ausgabe schreibt Renngeschichte: Alexia Barrier wird die erste Frau, die bei der Route du Rhum in der Ultim-Klasse antritt. Die Seglerin hat schon einmal Maßstäbe gesetzt: Mit einer reinen Frauencrew stellte sie im Januar 2026 die erste weibliche Bestzeit für eine Weltumsegelung ohne Zwischenstopp im Rahmen der Jules-Verne-Trophy auf.

Sie startet auf der IDEC Sport-CIC, einem Trimaran, der den Weg nach Guadeloupe besser kennt als jeder andere: Er hat das Rennen bereits dreimal gewonnen, 2010, 2014 und 2018. Er ist zwar langsamer als die Ultims der neuesten Generation, bleibt aber das erfolgreichste Boot der Klasse. Sie wird damit die erste Teilnehmerin dieser Klasse bei der Route du Rhum. Für Barrier steht jedoch auch das sportliche Ergebnis im Mittelpunkt: Sie startet nicht nur, um die erste Frau in der Ultim-Klasse zu sein. Gegen neuere Trimarane peilt sie eine Überfahrt in sieben Tagen an und will bis Pointe-à-Pitre ihre Chance nutzen.

Fotomosaik von Alexia Barrier
Fotos von Alexia Barrier, Bildnachweis: Rémi Issaly (Seven One Three) und Jean-Marie Liot

IMOCA: Favoriten der Route du Rhum 2026

Die 18,28 Meter langen Einrumpfboote wurden für die Einhand-Weltumsegelung konzipiert. Bei der Route du Rhum finden die IMOCAs ein kürzeres, aber ebenso anspruchsvolles Revier.

Beyou und Goodchild, die Favoriten

Jérémie Beyou (Charal) geht als verdienter Favorit ins Rennen: Er hat die letzte Transat Café L'Or gewonnen. Ebenfalls hoch gehandelt wird der Brite Sam Goodchild (MACIF Santé Prévoyance), einer der derzeit meistbeachteten IMOCA-Skipper. Er hat im Macif-Projekt die Nachfolge von Charlie Dalin angetreten.

Thomas Ruyant verteidigt seinen Titel auf einem neuen Boot

Thomas Ruyant gewann 2022 nach einem packenden Duell mit Charlie Dalin und hält den Rekord der IMOCA-Klasse mit 11 Tagen, 17 Stunden und 36 Minuten. Wie Charles Caudrelier bei den Ultims verteidigt er seinen Titel auf einem neuen Boot. Das ist ein Wagnis: Ein IMOCA der neuen Generation verspricht Geschwindigkeit, hat sich im Rennen aber noch nicht bewährt. Deshalb ist der Sieger von 2022 diesmal kein sicherer Favorit.

4 IMOCA-Skipper: Thomas Ruyant, Manuel Cousin, Fabrice Amedeo, Violette Dorange (Quelle: Wikimedia Commons)

Violette Dorange: der Shootingstar der Vendée Globe vor ihrer ersten Route du Rhum

Die breite Öffentlichkeit lernte sie bei der Vendée Globe 2024–2025 kennen, die sie mit 23 Jahren beendete. Mit ihren Berichten und Videos direkt vom Boot erreichte sie auch Menschen, die das Hochseesegeln bisher kaum verfolgten. Violette Dorange nimmt nun ihre erste Route du Rhum in Angriff.

Sie hat das Ruder der Initiatives-Cœur übernommen und ist damit die Nachfolgerin von Samantha Davies. Die britische Seglerin hat sich jedoch nicht zurückgezogen: Sie begleitet die Jüngere nun als Coach und technische Beraterin.

Ocean Fifty: die Favoriten und ihre Herausforderer

Verschiedene Ocean-Fifty-Trimarane
Die Ocean-Fifty-Trimarane (Fotos: Vincent Olivaud, Thomas Marmonteuil, Adrien Cordier)

Auf diesen 50-Fuß-Trimaranen (15,24 Meter) rächt sich jeder Fehler sofort. 2022 entschieden wenige Minuten über den Sieg. In diesem Jahr gibt es in der Klasse keinen Titelverteidiger: Erwan Le Roux, Sieger von 2014 und 2022, hat am 8. Oktober aus finanziellen Gründen seinen Verzicht bekannt gegeben. Der Weg ist frei für eine neue Generation von Skippern.

Basile Bourgnon, der Favorit in Topform

Ende September gewann Basile Bourgnon (Edenred) die 24H Ultim, das letzte Kräftemessen der Ocean Fifty vor dem Start in Saint-Malo. Damit verteidigte er seinen Titel und geht mit viel Selbstvertrauen in die Route du Rhum, als Skipper, den man im Auge behalten muss.

Baptiste Hulin, vom Match Race zum Einhandsegeln

Auf seinem offiziellen Profil hat Baptiste Hulin einen Satz gewählt, der Mark Twain zugeschrieben wird: „Sie wussten nicht, dass es unmöglich war, also haben sie es getan.“ Ein Motto, das den Werdegang des Seglers aus Cholet gut zusammenfasst, der vom Match Race, einem direkten Duell zweier Boote, zum Hochseesegeln kam.

Nach zwei Teilnahmen an der Transat Jacques Vabre und einer Route du Rhum in der Class40 wechselt er ins technische Team des Ocean Fifty Viabilis Océans und übernimmt 2024 dessen Ruder. Seine Fortschritte sind rasant: 2025 gewinnt er die Transat Café L'Or und die Meisterschaft der Ocean Fifty Series. Mit 29 Jahren betritt er bei dieser Route du Rhum dennoch Neuland, denn es ist sein erstes Einhandrennen.

Baptiste Hulin beim Segeln (Manöver, Kartenstudium, Bootspläne, Schlaf)
Fotomosaik von Baptiste Hulin (Fotos: Benjamin Sellier und Adrien Cordier)

Léonard Legrand, ein ernstzunehmender Konkurrent

Léonard Legrand (Sodebo Fifty) wurde Dritter bei den 24H Ultim und fuhr dort zudem die schnellste Zeit der Ocean Fifty bei den Speed-Runs, kurzen Fahrten auf Höchstgeschwindigkeit. Er kann auf starke Unterstützung zählen: Das Team Sodebo hat seinen Trimaran komplett überarbeitet, und Thomas Coville hat ihn bei seinen ersten Törns begleitet.

Class40: Favoriten und Teilnehmer im größten Feld

Mit 49 Booten am Start ist die Class40 mit Abstand die größte Flotte. Sie steht Amateuren wie Profis offen und vereint sehr unterschiedliche Profile. Da Yoann Richomme, zweifacher Sieger der Kategorie, nicht dabei ist, gilt das Rennen als völlig offen.

Guillaume Pirouelle und Corentin Douguet, die Favoriten

Ihre Erfolge der letzten beiden Saisons machen Guillaume Pirouelle (Sogestran Seafrigo) und Corentin Douguet (SNSM, Faites un don !) zu den Topfavoriten. Der 31-jährige Guillaume Pirouelle kann eine starke Bilanz vorweisen: Zweiter der Solitaire du Figaro 2022, gewann er 2025 die 40 Malouine und die Transat Café L'Or, in dieser Saison dann die Trin'40 und die CIC Normandy Channel Race.

Hinter ihnen will eine Generation unter 30 Jahren die Rangordnung aufmischen, darunter Timothé Polet (Team Zeiss), Pep Costa (VSF Sport) und Théa Khelif (Women of Course). Auch erfahrenere Skipper wie Fabien Delahaye und Quentin Le Nabour zählen zu den Außenseitern.

Vincent Riou, ein Vendée-Globe-Sieger in der Class40

Vincent Riou, Sieger der Vendée Globe 2004–2005 in der IMOCA-Klasse, segelt diesmal in der Class40 auf der Pierreval-Fondation GoodPlanet. Für ihn bleibt die Route du Rhum die schönste aller Transatlantikregatten. Er vergleicht sie sogar mit den Olympischen Spielen der Class40-Skipper, so wichtig ist sie für eine Karriere.

Ian Lipinski: vom Ingenieur zum Class40-Innovator

Ian Lipinski beim Segeln
Ian Lipinski beim Segeln (Fotos: A. Beaugé)

Ian Lipinski wurde 1981 in Paris geboren und schloss sein Studium an der Luft- und Raumfahrthochschule Supaéro ab. Er hätte in der Luftfahrt Karriere machen können. Doch nachdem er als Segellehrer an der Segelschule Les Glénans gearbeitet und mit seiner Frau viele Fahrtentörns unternommen hatte, entschied er sich für ein Leben auf dem Wasser. Nach zwei Siegen bei der Mini Transat zählt er heute zu den Spitzenseglern der Class40.

Er hat die Klasse nachhaltig geprägt: Mit dem Konstrukteur David Raison entwarf er eine Class40 mit abgerundetem Bug, einen sogenannten „Scow“, der die gesamte Flotte inspiriert hat. Bei dieser Route du Rhum hat er außerdem noch eine Rechnung offen. 2022 warfen ihn technische Probleme im ungünstigsten Moment auf Platz 13 zurück, in einer so harten Ausgabe, dass 17 der 55 gestarteten Class40 aufgeben mussten.

Vintage Mono und Multi: bekannte Skipper kehren zurück

In dieser Ausgabe werden die Kategorien Rhum Mono und Rhum Multi zu Vintage Mono und Vintage Multi. Die Idee: die Boote und Segler wieder ins Rampenlicht zu rücken, die die Geschichte des Hochseesegelns geschrieben haben, und bestehenden Segelbooten ein zweites Leben zu schenken. In diesen beiden Kategorien treten 26 Skipper an.

4 Skipper der Vintage-Kategorie: Jean Le Cam, Gilles Lamiré, Francis Joyon, Damien Seguin
4 Skipper der Vintage-Kategorie: Jean Le Cam, Gilles Lamiré (Foto: fafa.pics), Francis Joyon, Damien Seguin (Quelle: Wikimedia Commons)

Joyon und Le Cam, die Rückkehr der Legenden

Francis Joyon, Sieger der Route du Rhum 2018, hielt den Rekord des Rennens, bis Charles Caudrelier ihn 2022 brach. Er kehrt in der Kategorie Vintage Multi auf der Pour les océans zurück, überzeugt davon, dass ein sparsameres und meeresfreundlicheres Segeln möglich ist. Bei den Einrumpfbooten startet Jean Le Cam, sechsmal bei der Vendée Globe am Start, in der Kategorie Vintage Mono auf der Alegria.

Gilles Lamiré, von der Karibik zu seiner sechsten Route du Rhum

Gilles Lamiré stammt aus Lamballe in der Bretagne und war rund fünfzehn Jahre lang auf allen möglichen Booten auf den Meeren unterwegs, von Luxusyachten bis zu Mehrrumpfbooten, vor allem in der Karibik. 2006 widmete er sich ganz dem Hochseesegeln. Seitdem liegt ihm die Route du Rhum: Dritter 2014, Vierter 2018, außerdem gewann er die Transat Jacques Vabre 2019 mit Antoine Carpentier.

Bei seiner sechsten Teilnahme startet er auf der Groupe GCA, einem 1988 zu Wasser gelassenen ORMA-Trimaran – einem älteren Renntrimaran der früheren Offshore Racing Multihull Association. Sein Motto ist kurz: „Das wird schon klappen!“

Florian Gueguen, Segeln für einen guten Zweck

Florian Gueguen aus Saint-Malo kennt die Route du Rhum bereits gut, er ist sie 2018 und 2022 in der Class40 gesegelt. Diesmal will er sich mit den Besten der Kategorie Vintage Multi messen, an Bord eines 50-Fuß-Trimarans, den Nigel Irens 1987 entworfen hat.

Sein Boot trägt die Farben von Graine de Courage, einem Verein, der Spenden für den Kampf gegen die Parkinson-Krankheit sammelt. Für Florian Gueguen ist ein Abenteuer nur dann sinnvoll, wenn es menschliche Werte und Solidarität vermittelt.

Der Trimaran Graine de Courage mit Skipper Florian Gueguen
Der Trimaran Graine de Courage mit Skipper Florian Gueguen (Fotos: Philippe Ferrand)

Quellen

Route du Rhum: An exceptional lineup for the most challenging edition in history  
Route du Rhum: The crowning of „Vintage“, when the legend becomes lasting  
Route du Rhum: Skipper-Profil von Baptiste Hulin  
Route du Rhum: Skipper-Profil von Ian Lipinski  
Le Figaro Nautisme: Route du Rhum 2026 : le grand départ donné le 1er novembre 2026 à Saint-Malo  
Le Figaro Nautisme: 24H Ultim : Tom Laperche et Basile Bourgnon conservent leur titre  
Le Figaro Nautisme: Une nouvelle génération de skippers prête à bousculer les favoris  
Bateaux.com: Route du Rhum 2026 : la liste complète des 118 skippers engagés par classe  
Bateaux.com: Première femme en Ultim sur la Route du Rhum 2026, les enjeux du défi d'Alexia Barrier  
Bateaux.com: Route du Rhum 2026 : Erwan Le Roux contraint de renoncer faute de budget

 

Titelbild: ©Vincent Olivaud

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