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Anthony Marchand beim Manövrieren auf dem Trimaran Actual Ultim 4

Anthony Marchand: erste Route du Rhum auf einem Sieger-Ultim

Als Kind träumte Anthony Marchand davon, Florist zu werden. Segelboote und später riesige Trimarane ließen diesen Plan jedoch schnell in Vergessenheit geraten. Heute ist er Skipper des Trimarans Actual Ultim 4 und startet am 1. November 2026 in Saint-Malo zur 13. Ausgabe der Route du Rhum, der ersten seiner Karriere. Und er will seinen Konkurrenten nichts schenken.

Bei dieser Regatta ist der bretonische Segler zwar ein Neuling, nicht aber im Hochseesegeln und auch nicht am Ruder seines Bootes. Er verfügt sogar über einen großen Trumpf: den Siegertrimaran der letzten Ausgabe, der nun die Farben der Actual-Gruppe trägt, des langjährigen Sponsors der Route du Rhum.

Wer ist Anthony Marchand?

Ein erfahrener Segler

Die meisten Skipper der Route du Rhum haben das Segeln in die Wiege gelegt bekommen. Nicht so Anthony Marchand, den nichts für das Hochseesegeln vorherbestimmt hatte. Aus Leidenschaft und mit viel harter Arbeit hat er sich einen Platz unter den Besten erkämpft. Heute bringt er mehr als 300.000 km Regattaerfahrung mit und investiert bis zu 56 Stunden pro Woche in seine Vorbereitung.

Er ist Siege gewohnt, und es wäre müßig, sie alle aufzuzählen. Seine bemerkenswerteste Leistung verdient dennoch Erwähnung: die Arkéa Ultim Challenge 2024, bei der er zu den fünf Seglern gehörte, die diese Weltumsegelung allein an Bord eines Ultim beendeten. Eine extreme Erfahrung, die viel über seine körperliche und mentale Stärke aussagt.

Pascal Bidégorry, sein Sparringspartner für die Performance, fasst es so zusammen: „Er ist ein engagierter Segler mit einer bemerkenswerten Fähigkeit, sich wieder aufzurappeln und neu zu fokussieren, wenn sich ihm eine Enttäuschung in den Weg stellt.“

Fotomosaik von Anthony Marchand bei Segelmanövern
Anthony Marchand bei Segelmanövern (Fotos: Vincent Olivaud, Anne Beauge und Ronan Gladu)

Seine erste Route du Rhum

Allein den Atlantik zwischen Saint-Malo und Guadeloupe an Bord eines 32 Meter langen Trimarans zu überqueren, lässt sich nicht improvisieren. Zur Vorbereitung folgt Anthony Marchand einem streng durchgeplanten Trainingsprogramm:

  • 2 bis 3 Segeleinheiten pro Woche, im „Pseudo-Solo“, um die Regattabedingungen nachzustellen;
  • mehrere Laufeinheiten pro Woche;
  • 2 Krafttrainingseinheiten pro Woche.

Auf See ändert sich der Rhythmus grundlegend. Bei einer Atlantiküberquerung schläft der Skipper nur etwa 4 Stunden pro 24 Stunden, aufgeteilt in kurze Nickerchen, und sein Energiebedarf steigt auf 4.500 Kalorien pro Tag, gegenüber 2.500 an Land. Genug, um selbst einen erfahrenen Segler an seine Grenzen zu bringen.

Fernab geschönter Reden erinnert Anthony Marchand daran, dass Träume ihren Preis haben, und bereitet sich intensiv vor: „Ein Beruf aus Leidenschaft heißt nicht, dass er leicht ist. Es gibt schwierige Tage, an denen man vergisst, warum man das alles macht. Dann muss man sich daran erinnern, woher das Feuer kommt.“

Actual Ultim 4, ein Gigant der Meere, gebaut für den Sieg

Das Siegerboot der letzten Route du Rhum

Das Boot Actual Ultim 4 unter Segeln
Das Boot Actual Ultim 4 (Foto: QAPTUR)

Actual Ultim 4 gehört zu den 8 größten und schnellsten Regattabooten der Welt. Vor allem geht es mit einer beeindruckenden Erfolgsbilanz an den Start. Bevor er die Farben von Actual trug, segelte dieser Trimaran unter denen von Gitana und gewann so gut wie alles:

  • 2019: Sieger der Brest Atlantiques mit Charles Caudrelier und Franck Cammas;
  • 2021: Sieger der Transat Jacques Vabre mit Charles Caudrelier und Franck Cammas;
  • 2022: Sieger der Route du Rhum mit Charles Caudrelier, der dabei den Rekord der Regatta aufstellte;
  • 2024: Sieger der Arkéa Ultim Challenge.

Anthony Marchand hatte Zeit, sein Boot kennenzulernen: Mit seinem Team hat er an Bord bereits mehr als 10.000 Seemeilen zurückgelegt. „Ich kenne mein Boot inzwischen in- und auswendig“, sagt er. Eine Einschätzung, die Pascal Bidégorry teilt: „Actual Ultim 4 ist ein sehr gutmütiges Boot für das Einhandsegeln, besonders stark auf Raumschotskursen und bei halbem Wind.“

Um die gewaltigen Dimensionen dieses Trimarans zu erfassen, helfen ein paar Vergleiche:

MerkmalWertZum Vergleich
Höchstgeschwindigkeit93 km/hDas Tempo eines Autos auf der Landstraße
Länge32 m8 Renault Clio hintereinander
Masthöhe36 mEin 12-stöckiges Gebäude
Gesamtgewicht16 Tonnen12 Renault Clio
Segelfläche an Bord1.220 m²4 Tennisplätze
Wohnbereich6 m²Ein Badezimmer
Glasfaserkabel an Bord350 mFast eine Leichtathletikbahn
Tauwerk an Bord2 kmDie Länge des Pont de Normandie

Innovation im Zentrum der Regatta

Bei einem Ultim entscheidet sich die Leistung nicht nur auf hoher See. Wie das Team betont: „Hochseesegeln beginnt an Land.“ Sensoren, Datenanalyse, Simulationen: Jede auf See gewonnene Meile wird Monate vorher im Konstruktionsbüro vorbereitet. „Dank neuer Technologien verarbeiten wir große Datenmengen schneller, treffen fundiertere Entscheidungen und entwickeln ausgereifte Lösungen.“

Für diese Route du Rhum hat Actual Ultim 4 einen neuen Mast erhalten: länger, flexibler und mit Glasfaser ausgestattet. Das Ziel: Der Trimaran soll schon früher, bei schwächerem Wind, auf seine Foils steigen und so wertvolle Stunden auf dem Wasser gewinnen.

„Um Pointe-à-Pitre als Erster zu erreichen, muss man an der Spitze der technologischen Innovation stehen.“ Damien Coyote, Leiter des Konstruktionsbüros.  
 

Anthony Marchand beim Manövrieren auf dem Trimaran Actual Ultim 4
Fotomosaik des Trimarans Actual Ultim 4 unter Segeln (Foto: QAPTUR)

Das Team Actual, eine ganze Mannschaft hinter einem Skipper

Ein Einhandsegler, ein 22-köpfiges Team im Rücken

Hinter Anthony Marchand steht das Team Actual: 22 Menschen, die das ganze Jahr über das Boot entwerfen, optimieren, warten und vorbereiten und auch den Skipper betreuen. Ein kleines Unternehmen für sich, mit einem einzigen Ziel: den Trimaran so schnell wie möglich auf die andere Seite des Atlantiks zu bringen.

Getragen wird das Projekt von Actual, einem unabhängigen französischen Personaldienstleister (Zeitarbeit, Personalvermittlung, Weiterbildung) mit mehr als 600 Niederlassungen. Als langjähriger Partner der Route du Rhum vertritt die Gruppe eine Überzeugung, die zum Abenteuer ihres Skippers passt: „Arbeit zu einer Chance machen“.

Diese Überzeugung wirft auch ein Licht auf eine noch wenig bekannte Branche. Der Wassersportsektor soll in Frankreich heute für rund 143.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze stehen, mit sehr unterschiedlichen Berufen: Fachingenieure, Elektroniktechniker, Leiter von Konstruktionsbüros, Verbundwerkstoff-Spezialisten, Rigger, Bootsausrüster, Laminierer und Lackierer.

Das Team rund um Anthony Marchand
Das Team rund um Anthony Marchand (Foto: ATMCommunication)

Warum so viele Menschen für einen einzigen Segler?

Weil ein Ultim eine Hightech-Maschine ist und ein Einhandsegler in Topform an den Start gehen muss. Rund um Anthony Marchand zählt jede Rolle:

  • Die Ingenieure und das Konstruktionsbüro: „Heute erforschen 6 bis 8 Ingenieure alle Entwicklungsansätze, um in die richtige Richtung voranzukommen und Anthony eine Maschine zum Gewinnen zu bieten“, erklärt Teammanager Yves Le Blevec;
  • Die Techniker und Bootsbauer: Rigger, Verbundwerkstoff-Spezialisten und Elektroniker sorgen für die Zuverlässigkeit des Bootes, von den 2 km Tauwerk bis zu den 350 m Glasfaser;
  • Die sportliche Betreuung: Sparringspartner für die Performance, körperliche und mentale Vorbereitung, Ernährung, um den Rhythmus zerstückelter Nächte und anspruchsvoller Manöver durchzuhalten;
  • Kommunikation und Pressearbeit: Sie machen das Projekt für Publikum, Medien und Partner erlebbar.
Das Team rund um Anthony Marchand
Das Team rund um Anthony Marchand (Foto: ATMCommunication)

Hinter einem Skipper stecken Jahre gemeinsamer Arbeit

Während der Route du Rhum verfolgt das Publikum mehrere Tage lang einen Mann, der allein dem Atlantik trotzt. Doch hinter jedem Manöver und jeder Entscheidung stehen Dutzende Menschen und Jahre der Arbeit. Bei seiner ersten Teilnahme startet Anthony Marchand mit einem Boot, das diese Regatta bereits gewonnen hat, einem Mast, der für mehr Tempo neu gedacht wurde, und einem ganzen Team, das auf Pointe-à-Pitre ausgerichtet ist. Genug, um weit mehr als eine bloße Premiere anzupeilen.

Danksagung

Vielen Dank an Lucie Hardy für die Unterlagen, die diesen Artikel möglich gemacht haben.

Quellen

 

Titelbild: ©QAPTUR

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