Meltemi in Griechenland: Wann weht er und welche Inseln sollte man im August meiden?
Aktualisiert am: 05/10/2026Der Meltemi ist ein trockener, beständiger Nordwind, der von Mitte Mai bis Ende September über der Ägäis weht, mit einem Höhepunkt im Juli und August. Er erreicht meist 4 bis 6 Beaufort (Bft), also 11 bis 27 Knoten, in Spitzen 7 oder 8 Bft (28 bis 40 Knoten). Im August liegen die am stärksten betroffenen Inseln in den Kykladen: Andros, Tinos, Mykonos, Naxos, Paros, Ios, Amorgos und Santorini. Die Ionischen Inseln und der Saronische Golf bleiben die geschütztesten Reviere.
Was ist der Meltemi?
Der Meltemi (griechisch μελτέμι, in der Meteorologie auch Etesien genannt) entsteht durch das Druckgefälle zwischen einem Hochdruckgebiet über dem Balkan und einem Hitzetief über der Türkei. Die Luft strömt dadurch von Norden nach Süden über die Ägäis.
- Richtung: Nordost in der nördlichen Ägäis, Nord in den Kykladen, Nordwest in Richtung Dodekanes und Kreta.
- Wetter: klarer Himmel, trockene Luft, gemilderte Hitze.
- Seegang: kurze, steile See, besonders in den Meerengen zwischen den Inseln.
Wann weht der Meltemi?
| Monat | Häufigkeit | Übliche Stärke |
| Mai | Gelegentlich | 3 bis 4 Bft |
| Juni | Mäßig | 4 bis 5 Bft |
| Juli | Hoch | 5 bis 6 Bft, Spitzen 7 |
| August | Sehr hoch | 5 bis 7 Bft, Spitzen 8 |
| September | Abnehmend | 4 bis 5 Bft |
| Oktober | Selten | 3 bis 4 Bft |
Der Meltemi folgt einem recht vorhersehbaren Rhythmus:
- Im Tagesverlauf: Er setzt am späten Vormittag ein, erreicht am Nachmittag seinen Höhepunkt und flaut abends oft ab.
- Dauer einer Phase: in der Regel 3 bis 7 Tage, im Hochsommer manchmal länger.
- Ruhephasen: Zwischen zwei Phasen liegen oft 1 bis 3 Tage mit schwachem Wind.
Wer im Juli oder August ein Boot in Griechenland mieten möchte, sollte diese Zyklen ebenso berücksichtigen wie das Revier: Eine Ruhephase von 1 bis 3 Tagen reicht oft aus, um eine exponierte Überfahrt zu meistern.
Welche Inseln sollte man im August meiden?
| Revier | Exposition | Betroffene Inseln |
| Nördliche, zentrale und südliche Kykladen | Sehr stark | Mykonos, Tinos, Andros, Naxos, Paros, Ios, Amorgos, Santorini |
| Westliche Kykladen und Syros | Stark | Syros, Kythnos, Serifos, Sifnos, Milos |
| Nördlicher Dodekanes | Stark | Patmos, Leros, Kalymnos, Kos (Nordküste) |
| Südlicher Dodekanes und Sporaden | Mäßig | Kos (Südküste), Symi, Rhodos, Skiathos, Skopelos |
| Saronischer Golf und Argolis | Gering | Ägina, Poros, Hydra, Spetses |
| Ionische Inseln | Sehr gering | Korfu, Paxos, Lefkada, Kefalonia, Ithaka, Zakynthos |
Kritisch sind weniger die Inseln selbst als die Überfahrten dazwischen: Der Kafireas-Kanal (zwischen Euböa und Andros), die Passage zwischen Mykonos und Tinos und der Kanal zwischen Naxos und Paros sind bei vollem Meltemi für ihre raue See bekannt.
Wo segelt man im August in Griechenland?
- Ionische Inseln: die beste Wahl im August, mit mäßiger thermischer Brise am Nachmittag und kurzen Distanzen. Wer ein Boot auf den Ionischen Inseln mieten möchte, findet dort gute Bedingungen für Familien oder Crews ohne Starkwinderfahrung: kurze Etappen, oft unter 15 Seemeilen, und viele geschützte Ankerplätze.
- Saronischer Golf: nahe Athen, insgesamt geschützt, mit kurzen Schlägen von Insel zu Insel.
- Südlicher Dodekanes: mäßige Exposition und kurze Etappen zwischen Nisyros, Tilos, Symi und Rhodos.
- Kykladen: erfahrenen Crews vorbehalten oder besser im Juni und September einplanen.
Die Berater von Filovent empfehlen Ihnen je nach Reisezeit und Erfahrung Ihrer Crew den passenden Ausgangshafen.
Wie segelt man mit dem Meltemi?
- Den Törn so planen, dass man raumschots oder vor dem Wind segelt (Wind schräg von hinten oder von hinten), statt gegen den Wind aufzukreuzen: zu Wochenbeginn nach Süden segeln, dann in kurzen Etappen frühmorgens zurückkehren, oder einen One-Way-Törn wählen, wenn die Basis dies anbietet.
- Früh morgens ablegen und ankommen, bevor der Wind am Nachmittag auffrischt.
- 1 bis 2 Tage Puffer einplanen, falls man im Hafen festsitzt.
- An den Südküsten der Inseln ankern, geschützt vor dem Seegang, und auf Fallböen achten, die von den Bergen der hohen Inseln herabstürzen (Amorgos, Ios, Andros).
- Täglich die Wettervorhersage prüfen, etwa auf der Website des Nationalen Observatoriums Athen (meteo.gr) oder des griechischen Wetterdienstes (emy.gr).
- Ein Boot mit Skipper mieten, wenn die Crew wenig Erfahrung bei viel Wind hat.
Häufige Fragen zum Meltemi
Ist der Meltemi gefährlich?
Für eine erfahrene Crew und ein gut vorbereitetes Boot ist er nicht gefährlich, macht das Segeln aber anstrengend und unbequem. Bevor Sie selbst skippern, prüfen Sie die Anforderungen an den Bootsführerschein in Griechenland und schätzen Sie Ihr Können bei Starkwind ein. Bei Starkwind können die griechischen Hafenbehörden das Auslaufen untersagen; der Grenzwert hängt von Bootstyp und Bootsgröße ab.
Katamaran oder Einrumpfboot beim Meltemi?
Der Katamaran krängt kaum und bietet mehr Komfort vor Anker, läuft aber weniger Höhe. Das Einrumpfboot segelt bei grober See besser am Wind. In beiden Fällen zählt die Törnplanung mehr als der Bootstyp.
Kann man eine Meltemi-Phase vorhersagen?
Ja, in der Regel 3 bis 5 Tage im Voraus. Die Wettermodelle und das Poseidon-System des griechischen Instituts HCMR (poseidon.hcmr.gr) sagen sein Eintreffen und seine Stärke zuverlässig voraus, sodass sich der Törn Tag für Tag anpassen lässt.
Sollte man die Kykladen im Sommer meiden?
Nicht unbedingt. Juni und September bleiben die besten Monate. Im Juli und August bieten sich ab Lavrio oder Athen die Inseln Kea, Kythnos und Syros an, die weniger exponiert sind als Mykonos oder Naxos. Lange Überfahrten heben Sie sich für ruhige Tage auf.
